08/07/2026
#Allright

Krank zur Arbeit: 95 Prozent der Erwerbstätigen ignorieren Krankheitssymptome im Job

  • 95,2 Prozent der Erwerbstätigen haben schon einmal gearbeitet, obwohl sie sich krank gefühlt haben. 

  • 72,0 Prozent hatten schon einmal das Gefühl, sich für eine Krankmeldung vor dem Arbeitgeber rechtfertigen zu müssen. 

  • 64,7 Prozent sorgen sich, dass häufige Krankmeldungen berufliche Nachteile haben könnten. 

  • 57,8 Prozent wurden schon einmal nach dem genauen Grund einer Krankmeldung gefragt. 

Berlin, 07. Juli 2026 – Krank sein, aber trotzdem arbeiten: Für viele Erwerbstätige in Deutschland ist das offenbar Alltag. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag von Allright, dem führenden Portal zur Durchsetzung von Verbraucherrechten unter 2.000 Erwerbstätigen, zeigt: 95,2 Prozent der Befragten haben schon einmal gearbeitet, obwohl sie sich krank gefühlt haben. Gleichzeitig berichten viele von Rechtfertigungsdruck, unangenehmen Nachfragen und der Sorge vor beruflichen Nachteilen. Vor dem Hintergrund der geplanten Neuregelung zur Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag gewinnt diese Debatte zusätzlich an Relevanz. 

Auch im Arbeitsumfeld ist sogenannter Präsentismus weit verbreitet: 72,3 Prozent der Erwerbstätigen erleben sehr oder eher häufig, dass Kolleginnen oder Kollegen trotz Krankheit arbeiten. Die Ergebnisse machen deutlich: Krankheit bleibt am Arbeitsplatz ein sensibles Thema, mit Folgen für Beschäftigte, Teams und Unternehmenskultur. 

„Wer krank ist, sollte sich auskurieren können, ohne schlechtes Gewissen und ohne Angst vor Nachteilen“, sagt Paul Krusenotto, Arbeitsrechtsexperte bei Allright. „Die Zahlen zeigen, dass viele Beschäftigte Krankheit im Job offenbar nicht als legitimen Ausnahmezustand wahrnehmen, sondern als etwas, das sie rechtfertigen müssen. Das ist arbeitsrechtlich ein Warnsignal, weil eine Krankmeldung auch dann gerechtfertigt ist, wenn bei Weiterarbeit eine Verschlechterung der gesundheitlichen Situation droht.“ 

Viele Beschäftigte fühlen sich bei Krankmeldungen unter Rechtfertigungsdruck 

Die Umfrage zeigt deutlich: Krankheit ist am Arbeitsplatz noch immer ein sensibles Thema. 72,0 Prozent der Erwerbstätigen hatten schon einmal das Gefühl, sich für eine Krankmeldung vor ihrem Arbeitgeber rechtfertigen zu müssen. 41,7 Prozent sagen sogar, dies sei „auf jeden Fall“ der Fall gewesen, weitere 30,3 Prozent antworten mit „eher ja“. 

Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen: Während 67,1 Prozent der Männer angeben, sich bereits für eine Krankmeldung rechtfertigen zu müssen, sind es bei Frauen 76,5 Prozent. 

Noch deutlicher zeigt sich der Druck bei jüngeren Beschäftigten. Unter den 18- bis 29-Jährigen geben 82,1 Prozent an, sich schon einmal für eine Krankmeldung gegenüber ihrem Arbeitgeber rechtfertigen zu müssen. Bei den 30- bis 39-Jährigen sind es 77,2 Prozent. In der Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen liegt der Anteil dagegen bei 50,7 Prozent. 

„Beschäftigte müssen ihrem Arbeitgeber mitteilen, dass sie arbeitsunfähig sind und wie lange die Arbeitsunfähigkeit voraussichtlich dauert. Die genaue Diagnose geht den Arbeitgeber grundsätzlich nichts an“, erklärt Krusenotto. „Wenn Beschäftigte das Gefühl haben, ihre Krankheit erklären oder verteidigen zu müssen, entsteht schnell ein Druck, der mit einem gesunden Arbeitsverhältnis nur schwer vereinbar ist. Gerade jüngere Beschäftigte scheinen Krankheit im Job besonders häufig als etwas zu erleben, das erklärt oder verteidigt werden muss.“ 

 

Mehr als jede Zweite wurde nach dem genauen Grund der Krankmeldung gefragt 

Ein weiterer Befund der Umfrage: 57,8 Prozent der Erwerbstätigen wurden von ihrem Arbeitgeber oder ihrer Führungskraft schon einmal nach dem genauen Grund einer Krankmeldung gefragt. 39,9 Prozent verneinen dies, 2,3 Prozent machen keine Angabe. 

Zudem berichten jüngere Erwerbstätige häufiger von entsprechenden Nachfragen als ältere Beschäftigte: 65,5 Prozent der 18- bis 29-Jährigen wurden schon einmal nach dem genauen Grund ihrer Krankmeldung gefragt. Bei den 50- bis 64-Jährigen liegt der Anteil bei 46,7 Prozent. 

Arbeitgeber dürfen wissen, wie lange Beschäftigte voraussichtlich ausfallen. Einen Auskunftsanspruch gerichtet auf medizinische Details oder die genaue Diagnose haben sie jedoch grundsätzlich nicht. Beschäftigte sollten sich bewusst machen: Mit einer Krankmeldung, in der mitgeteilt ist, wie lange die Ausfallzeit voraussichtlich beträgt, ist alles regelmäßig getan. Alles Weitere ist ein “Kann” und kein “Muss”“, so Krusenotto weiter. 

Sorge vor beruflichen Nachteilen ist weit verbreitet 

Dass viele Beschäftigte trotz Krankheit arbeiten, könnte auch mit der Sorge vor negativen Konsequenzen zusammenhängen. 64,7 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Sorge groß oder eher groß ist, häufige Krankmeldungen könnten für sie berufliche Nachteile haben. 25,6 Prozent bewerten diese Sorge als „sehr groß“, 39,1 Prozent als „eher groß“. 

Frauen zeigen sich dabei besorgter als Männer: 68,7 Prozent der Frauen machen sich sehr oder eher große Sorgen um berufliche Nachteile durch häufige Krankmeldungen. Bei Männern liegt der Anteil bei 60,4 Prozent. 

Auch beim Blick auf das Alter zeigt sich ein deutlicher Unterschied: 74,4 Prozent der 18- bis 29-Jährigen machen sich sehr oder eher große Sorgen, dass häufige Krankmeldungen negative Folgen für ihre berufliche Situation haben könnten. Bei den 50- bis 64-Jährigen sind es 47,5 Prozent. 

Negative Reaktionen auf Krankmeldungen sind keine Seltenheit 

Die Allright-Umfrage zeigt zudem: 74,4 Prozent der Erwerbstätigen haben schon einmal erlebt, dass Vorgesetzte negativ auf die Krankmeldung einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters reagiert haben. Nur 22,2 Prozent geben an, dies noch nicht erlebt zu haben. 

Auch hier berichten Frauen häufiger von entsprechenden Erfahrungen: 77,0 Prozent der Frauen haben bereits negative Reaktionen von Vorgesetzten auf Krankmeldungen erlebt, bei Männern sind es 71,5 Prozent. 

Krusenotto: „Eine negative Reaktion auf eine Krankmeldung kann Beschäftigte nachhaltig verunsichern. Gerade Führungskräfte sollten deshalb sehr bewusst kommunizieren. Wer Krankheit indirekt sanktioniert oder Beschäftigte unter Druck setzt, riskiert nicht nur Vertrauensverlust, sondern auch arbeitsrechtliche Konflikte.“ 

Große Mehrheit sieht Arbeitgeber stärker in der Verantwortung 

Die Befragten sehen auch Arbeitgeber in der Pflicht: 86,1 Prozent der Erwerbstätigen finden, dass Arbeitgeber mehr Verantwortung dafür übernehmen sollten, dass Beschäftigte sich bei Krankheit tatsächlich krankmelden. 45,6 Prozent stimmen dieser Aussage „auf jeden Fall“ zu, 40,5 Prozent antworten mit „eher ja“. 

Über die Umfrage 

Civey hat für Allright vom 15.06.2026 bis 17.06.2026 online 2000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ auf Basis einer modellbasierten, statistischen Methode für kleine Datenräume. Der durchschnittliche statistische Fehler liegt bei 2,5 Prozentpunkten. Weitere Informationen zur Methodik finden Sie hier.